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Pfaffenhofener Kurier 03.11.2011


Munter und hintergründig

Manching (PK) Ab 18. November heißt es in der Manchinger Lindenkreuzhalle wieder Vorhang auf für die Theaterbühne. „Ratsch und Tratsch“ heißt der Dreiakter, den die Schauspieler derzeit einstudieren. DK-Autorin Christine Engel hat sich mit Regisseur Adam Zimmer (65) und mit den Hauptdarstellern Rainer Langner (41) und Herbert Biberger (38) vorab unterhalten.




Die führenden Köpfe der neuen Aufführungsreihe: Rainer Langner (von links), Adam Zimmer und Herbert Biberger ließen sich einige Details zum Stück und zu ihren Ambitionen entlocken - Foto: Engel

Was wollen Sie über die Handlung verraten?

Adam Zimmer: Das Stück macht deutlich, was durch Ratsch und Tratsch entstehen kann. Aus einem Wort ergibt sich ein ganzer Satz, aus einem Sandkorn eine halbe Wüste. Aufgrund eines Briefes, den der Bauer bekommt und den die anderen nicht gelesen haben, wird er als Erbschleicher abgestempelt und hat angeblich ein lediges Kind. Am Ende stellt sich heraus, dass es doch nicht so ist. Zu Beginn ist es lustig, doch am Ende wird es ernst. Der Bauer wird aufgrund des Tratsches und der Gerüchte aus dem Dorf ausgestoßen und wie ein Aussätziger behandelt.

Herr Langner, Herr Biberger: Welche Rollen spielen Sie?

Rainer Langner: Wir sind zwei Gestalten im Harlekinkostüm. Ich bin der Tratsch und der Herbert ist der Ratsch. Wir sind nur für das Publikum sichtbar und werden von den Figuren als inneres Gewissen wahrgenommen. Wir impfen den Darstellern den Tratsch ein.

Warum haben sie sich das Stück ausgesucht?

Zimmer: Letztes Mal hatten wir mit „Pension Hollywood“ ein sehr lustiges Stück. Diesmal wollte ich ein hintergründiges Stück. Wir versuchen immer ein wenig Abwechslung, damit wir nicht immer auf der gleichen Schiene sind. Außerdem braucht man für dieses Stück gute Sänger und mit den beiden hier habe ich einen Glücksgriff gemacht.

Woher können Sie denn so gut singen?

Herbert Biberger: Ich spiele Gitarre, Akkordeon und Steirische und mache damit viel Volksmusik.

Langner: Ich habe als Kind schon viel im Chor gesungen – und auch bei der Gratleroper.

Herr Biberger, wie lange sind sie schon im Theaterverein?

Biberger (zögert ein bisschen): Erst drei Wochen. Und ich habe auch davor noch nie Theater gespielt. Für mich war es schon lang ein Jugendtraum. Aber dass es gleich eine Hauptrolle wird – damit habe ich auch nicht gerechnet. Ich habe Rainer – wir sind Freunde und Nachbarn – schon öfter gesagt, dass sie mich fragen können, wenn sie jemanden brauchen. Und dann haben sie jemand gesucht, der gut singen kann.

Herr Zimmer, sie sind bei diesem Stück Regisseur und Schauspieler. Ist das nicht ein wenig stressig?

Zimmer: Doch, deswegen habe ich mir eine kleine Rolle rausgesucht. Bei dem Stück habe ich nicht viel zu sagen. Ich bin der Wirt und trage das Bier hin und her.

Und was sind Sie lieber? Schauspieler oder Regisseur?

Zimmer: Mein Herz hängt am Schauspielern. „Ratsch und Tratsch“ ist auch meine letzte Regiearbeit.

Langner: Das hast du ja noch gar nicht gesagt, dass du aufhörst. Aber da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. So einfach geht das nicht. Außerdem hast du das schon öfter gesagt.

Zimmer: Doch, dieses Mal ist es sicher. Man muss die Jugend hinlassen.

Wie merken Sie sich die Texte am besten?

Biberger: Üben, üben, üben. Ich habe meine ganze Familie ins Textlernen mit eingeschlossen. Meine Tochter kann Rainers Part schon selber fast auswendig. Und am Anfang habe ich auch immer eine CD im Auto angehört und dadurch die Lieder gelernt.

Langner: Die beste Technik ist immer, während der Proben hinter der Bühne von links nach rechts zu laufen und den Text zu lernen. Ich gestehe: Daheim lerne ich relativ wenig. Der Herbert und ich haben aber viele Dialoge, und wir haben uns viel privat getroffen.

Welche ist die schwierigste Szene?

Langner: Schwierig wird’s immer dann, wenn man nicht einen durchgehenden Text hat, sondern einfach so zwischenrein etwas sagen muss, obwohl man an der ganzen Szene nicht groß beteiligt ist. Da muss man extrem aufpassen, dass man den richtigen Einsatz erwischt.

Biberger: Für mich wird’s schwierig, wenn wir im zweiten Akt rausgehen und auch mit dem Publikum zu tun haben und auf die Leute eingehen.

Haben Sie Lampenfieber?

Langner: Ich bin immer nervös, wenn ich Theater spiele. Aber das gehört dazu. Ich brauche das – denn dann bin ich konzentriert. Und wenn ich auf der Bühne bin, ist es vorbei.

Zimmer: Jetzt habe ich kein Lampenfieber mehr. Aber früher – da musste ich fünf Minuten vor Beginn immer noch aufs Klo.

Was ist Ihr Antrieb für das Theaterspiel?

Biberger: Der Spaß.

Langner (lacht): Damit ich nicht auf dumme Gedanken komme, weg von der Straße und aufgeräumt bin.

Zimmer: Auf der Bühne stehen und der Applaus, denn dadurch bleibt man jung. Außerdem die Herausforderung. Oft geht es an die Grenzen der Belastbarkeit, aber wenn der Erfolg dann da ist, dann pulsiert das Blut.

Wenn jemand Theater spielen möchte und es aber noch nie versucht hat – was muss er tun?

Zimmer: Einfach zu uns kontaktieren. Auf www.theaterbuehne-manching.de steht alles. Oder zu einer unserer Aufführungen kommen, es sich anschauen und uns dann ansprechen.

Pfaffenhofener Kurier